Ein Plädoyer für mehr Fairness, weniger Mythen – und mutige Umverteilung

Stell dir vor, du wärst Millionenerbin. Du hast das Geld nicht erarbeitet, du hast es einfach geerbt.
Und dann sagst du: „Ich möchte 90 % meines Vermögens abgeben – demokratisch verteilt.“
Was klingt wie ein unrealistisches Märchen, ist Realität.
Marlene Engelhorn hat genau das getan.

Und sie ist nicht allein. Immer mehr Superreiche fordern laut und öffentlich: Besteuert uns stärker. Nicht als Symbol, sondern als notwendige Korrektur. Dieser Text beleuchtet, warum sie das tun, wie es funktionieren kann – und warum das nicht nur ihre, sondern auch unsere Debatte ist.

Die Debatte um Vermögenssteuern wird oft hart geführt: auf der einen Seite die Angst vor Enteignung, auf der anderen Seite der Ruf nach Gerechtigkeit. Doch was passiert, wenn ausgerechnet die Menschen, die das meiste Vermögen besitzen, laut fordern: „Besteuert uns stärker“?1


Wer diese Menschen sind

In den USA gründete sich bereits 2010 die Bewegung der Patriotic Millionaires – bestehend aus Unternehmer:innen, Erb:innen und Investor:innen. Ihr Ziel: den Einfluss von Reichtum auf die Demokratie begrenzen und das Steuersystem gerechter machen. Eine zentrale Figur: Morris Pearl, ehemaliger Geschäftsführer bei BlackRock, der heute seine Zeit dem politischen Engagement widmet.

Auch Abigail Disney, Erbin des Disney-Vermögens, gehört zu den Unterstützerinnen. In Interviews erklärt sie: “Ich habe mehr Geld, als ich jemals ausgeben kann. Es ist falsch, dass ich weniger Steuern zahle als meine Sekretärin.”

In Europa sind vor allem zwei Namen bekannt: Marlene Engelhorn und Stefanie Bremer, Mitgründerinnen der Initiative Tax Me Now. Engelhorn kündigte 2021 an, 90 % ihres Millionenvermögens spenden zu wollen. Ihr Ziel: eine politische Rückverteilung, demokratisch gesteuert über einen Bürger:innenrat.


Warum Vermögenssteuern (noch) nicht durchgesetzt sind

Dass Superreiche so laut für eine gerechte Besteuerung kämpfen, ist ungewöhnlich – und politisch brisant. Denn die Realität sieht anders aus:

  • In Deutschland wurde die Vermögenssteuer 1997 abgeschafft
  • Auf Erbschaften von rund 400 Milliarden Euro jährlich werden nur knapp zwei Prozent tatsächlich besteuert2
  • Das reichste Prozent der Deutschen besitzt rund 35 % des Gesamtvermögens, die ärmsten 50 % dagegen nur 1,2 %3
  • Großkonzerne und Vermögende profitieren von Schlupflöchern, Steuerflucht und internationalem Steuerwettbewerb

Ein Beispiel: Beim G20-Gipfel 2023 in Brasilien wurde eine globale Mindestbesteuerung von 2 % für Vermögen über 100 Mio. US-Dollar diskutiert. Sie hätte weltweit bis zu 377 Milliarden Dollar jährlich einbringen können4. Doch verbindlich beschlossen wurde sie nicht.


Wie demokratische Rückverteilung funktionieren kann

Im März 2024 tagte in Österreich der „Gute Rat für Rückverteilung“ – ein Bürger:innenrat, der über 25 Millionen Euro aus Engelhorns Vermögen entscheiden durfte. 50 repräsentativ ausgeloste Menschen zwischen 16 und 85 Jahren diskutierten sechs Wochen lang über Gerechtigkeit, soziale Sicherheit und Gemeinwohl5.

Das Ergebnis: Die Mittel wurden an rund 80 Organisationen verteilt – für Klimaschutz, bezahlbaren Wohnraum, soziale Teilhabe und Bildung. Die Gelder werden dabei nicht einmalig, sondern über mehrere Jahre ausgezahlt. Planbarkeit statt PR.

Dieses Beispiel zeigt: Verteilung kann demokratisch, gerecht und wirksam gestaltet werden – wenn wir sie gemeinsam denken.


Was hinter dem Wunsch nach Besteuerung steckt

Die Motive der engagierten Superreichen sind vielfältig – und oft persönlicher, als man denken würde.

Patricia Martone, ebenfalls Teil der Patriotic Millionaires, bringt es auf den Punkt:

„Nur weil ich es in eine Elitekanzlei geschafft habe, sollte ich nicht automatisch besser behandelt werden als andere hart arbeitende Bürger:innen.“

Viele dieser Stimmen verstehen ihr Engagement nicht als Verzicht, sondern als Beitrag zu einer gesünderen Gesellschaft. Denn sie wissen: Wenn Vermögen ungleich verteilt bleibt, wachsen nicht nur soziale Spannungen – sondern auch die Macht weniger über viele.


Und ich?

Auch ich habe keine Millionen geerbt. Aber ich habe Zugang zu Bildung, ein stabiles Umfeld, soziale Sicherheit.
Ich bin nicht reich – aber ich bin privilegiert.
Und ich finde: Es ist an der Zeit, dass wir diese Privilegien nicht nur anerkennen – sondern politisch ernst nehmen.

Denn wer sagt eigentlich, dass Leistung allein über Erfolg entscheidet?


Zum Schluss: Gute Nachrichten weitertragen

Während wir uns täglich mit schlechten Nachrichten überhitzen, gibt es auch andere Stimmen. Der Artikel, auf dem dieser Beitrag basiert, erschien im Good News Magazin – einem Medium, das konstruktiv berichtet, ohne die Probleme zu verschweigen.

Wenn dich solche Perspektiven interessieren, schau gern vorbei:
👉 goodnews-magazin.de

Vielleicht brauchen wir genau das öfter: Gute Nachrichten, die Mut machen – und zum Handeln motivieren.

Quellen:

  1. Patriotic Millionaires – Offizielle Website ↩︎
  2. Baden-Württemberg Stiftung – Interview mit Stefanie Bremer (2022) ↩︎
  3. Tax Me Now – Offizielle Website ↩︎
  4. Gabriel Zucman zur G20-Steuerreform – Heinrich-Böll-Stiftung (2024) ↩︎
  5. Good News Magazin, Ausgabe Nr. 26, Artikel von Sophia Schweizer (2024) ↩︎

Der Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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